Erfahrungen & Bewertungen zu Christina Himmelmann

Die praktische AEVO-Prüfung besteht nicht nur aus Ihrer Präsentation oder der praktischen Durchführung einer Ausbildungssituation. Unmittelbar danach folgt das Fachgespräch. Gerade dieser Teil verunsichert viele angehende Ausbilderinnen und Ausbilder: Welche Fragen stellt der Prüfungsausschuss? Wie ausführlich müssen die Antworten sein? Und was passiert, wenn die Prüfer eine Entscheidung kritisch hinterfragen?

Die gute Nachricht: Im AEVO-Fachgespräch geht es normalerweise nicht darum, auswendig gelernte Definitionen möglichst wortgetreu wiederzugeben. Sie sollen zeigen, dass Sie Ihre Ausbildungssituation bewusst geplant haben, Ihre Entscheidungen fachlich und pädagogisch begründen können und bei Bedarf sinnvolle Alternativen kennen.

Was ist das AEVO-Fachgespräch?

Der praktische Teil der Ausbildereignungsprüfung dauert insgesamt höchstens 30 Minuten. Auf die Präsentation oder praktische Durchführung einer Ausbildungssituation, die in der Regel maximal 15 Minuten beanspruchen soll, folgt das Fachgespräch. Darin erläutern und begründen Sie die Auswahl und Gestaltung Ihrer Ausbildungssituation.

Der Prüfungsausschuss möchte erkennen, ob Sie eine Ausbildungssituation planen, durchführen, kontrollieren und in den betrieblichen Gesamtzusammenhang einordnen können. Dabei können unter anderem Ihre Lernziele, die gewählte Ausbildungsmethode, die Aktivierung des Auszubildenden, die Lernerfolgskontrolle sowie pädagogische, organisatorische oder rechtliche Gesichtspunkte angesprochen werden.

Wichtig: Die konkreten Abläufe und Vorgaben können sich je nach zuständiger IHK oder HWK unterscheiden. Prüfen Sie deshalb zusätzlich die Hinweise Ihrer eigenen Kammer.

Kandidatin beantwortet Fragen im AEVO-Fachgespräch vor einem Prüfungsausschuss | AEVO-Ausbilderschein
Kandidatin beantwortet Fragen im AEVO-Fachgespräch vor einem Prüfungsausschuss | AEVO Ausbilderschein

Typische Fragen im AEVO-Fachgespräch mit Antwortansätzen

Die folgenden Fragen sind keine offizielle oder vollständige Fragenliste. Sie zeigen jedoch, auf welche Themen Sie sich sinnvoll vorbereiten können.

1. Warum haben Sie dieses Unterweisungs- oder Präsentationsthema gewählt?

Stellen Sie den Bezug zum Ausbildungsberuf, zum Ausbildungsrahmenplan und zum betrieblichen Ausbildungsplan her. Erläutern Sie außerdem, warum das Thema zum bisherigen Lernstand des Auszubildenden passt.

Antwortansatz: „Das Thema gehört zum vorgesehenen Ausbildungsabschnitt und baut auf bereits vorhandenen Kenntnissen auf. Der Auszubildende benötigt diese Kompetenz anschließend, um vergleichbare Aufgaben zunehmend selbstständig bearbeiten zu können.“

2. Warum haben Sie diese Ausbildungsmethode gewählt?

Begründen Sie die Methode nicht nur mit „Das passt am besten“. Stellen Sie eine Verbindung zwischen Lernziel, Vorwissen, Aktivierung und verfügbarer Zeit her.

Antwortansatz: „Ich habe das Lehrgespräch gewählt, weil der Auszubildende bereits Vorkenntnisse besitzt. Durch gezielte Fragen kann ich ihn aktiv einbeziehen, vorhandenes Wissen sichtbar machen und ihn selbst zu den erforderlichen Handlungsschritten führen.“

3. Welche andere Methode wäre ebenfalls möglich gewesen?

Mit dieser Frage wird geprüft, ob Sie Alternativen kennen und bewusst entschieden haben. Nennen Sie eine realistische Methode und erläutern Sie kurz deren Vor- und Nachteile.

Antwortansatz: „Alternativ wäre die Vier-Stufen-Methode möglich. Sie wäre besonders geeignet, wenn ein klarer manueller Ablauf vorgemacht und anschließend eingeübt werden müsste. Bei meinem kognitiv geprägten Thema wollte ich jedoch die selbstständige Lösungsfindung stärker fördern.“

4. Wie lautet Ihr Feinlernziel?

Formulieren Sie möglichst konkret, welches beobachtbare Ergebnis der Auszubildende unter welchen Bedingungen und in welcher Qualität erreichen soll.

Antwortansatz: „Der Auszubildende kann nach der Ausbildungseinheit anhand der betrieblichen Reiserichtlinie selbstständig ein geeignetes Hotel auswählen und die Buchung vollständig, wirtschaftlich und fehlerfrei vorbereiten.“

5. Welchen Lernzielbereich sprechen Sie an?

Unterscheiden Sie kognitive, psychomotorische und affektive Lernziele. In vielen Ausbildungssituationen werden mehrere Bereiche berührt, auch wenn einer davon im Mittelpunkt steht.

Antwortansatz: „Im Schwerpunkt handelt es sich um ein kognitives Lernziel, weil Regeln verstanden und auf eine Buchungssituation angewendet werden. Zusätzlich wird der affektive Bereich angesprochen, etwa durch kostenbewusstes und verantwortliches Handeln.“

6. Wie haben Sie den Auszubildenden motiviert?

Beschreiben Sie einen konkreten Nutzen, einen Praxisbezug oder eine aktivierende Einstiegssituation. Motivation entsteht nicht allein durch Lob am Ende.

Antwortansatz: „Ich habe mit einer realistischen Aufgabe aus dem Arbeitsalltag begonnen und verdeutlicht, dass der Auszubildende solche Buchungen künftig selbstständig übernehmen kann. Dadurch wird der persönliche Nutzen der neuen Kompetenz erkennbar.“

7. Wie kontrollieren Sie den Lernerfolg?

Eine Frage wie „Haben Sie alles verstanden?“ reicht nicht aus. Der Lernerfolg sollte durch eine beobachtbare Handlung, eine Transferfrage oder die selbstständige Bearbeitung einer neuen Situation überprüft werden.

Antwortansatz: „Der Auszubildende bearbeitet einen leicht veränderten Buchungsfall selbstständig und begründet seine Auswahl. So überprüfe ich nicht nur Wissen, sondern auch dessen Anwendung.“

8. Wie berücksichtigen Sie unterschiedliche Lernvoraussetzungen?

Gehen Sie auf Vorwissen, Lerntempo, Erfahrungen, Sprachkompetenz oder Unterstützungsbedarf ein, ohne dem Auszubildenden pauschal Eigenschaften zuzuschreiben.

Antwortansatz: „Ich kläre den Kenntnisstand vorab, strukturiere die Aufgabe in nachvollziehbare Schritte und stelle ergänzende Unterlagen bereit. Bei sicherer Bearbeitung erhöhe ich die Selbstständigkeit und den Schwierigkeitsgrad.“

9. Wie reagieren Sie, wenn der Auszubildende einen Fehler macht?

Zeigen Sie, dass Fehler als Lerngelegenheiten genutzt werden können. Bei Gefahren oder schwerwiegenden Folgen müssen Sie selbstverständlich direkt eingreifen.

Antwortansatz: „Wenn keine Gefahr und kein größerer Schaden droht, gebe ich zunächst einen Denkimpuls, damit der Auszubildende den Fehler selbst erkennt und korrigiert. Anschließend klären wir die Ursache und sichern den richtigen Lösungsweg.“

10. Warum haben Sie bestimmte Medien oder Ausbildungsmittel eingesetzt?

Begründen Sie jedes Medium über seinen didaktischen Nutzen. Viele Medien wirken nicht automatisch professioneller.

Antwortansatz: „Die Checkliste reduziert die Komplexität, visualisiert die Entscheidungskriterien und kann später als Arbeitshilfe im betrieblichen Alltag genutzt werden.“

11. Wie fördern Sie die Selbstständigkeit des Auszubildenden?

Nennen Sie konkrete Schritte: eigene Entscheidungen ermöglichen, offene Fragen einsetzen, Verantwortung schrittweise übertragen und Reflexion anregen.

Antwortansatz: „Ich gebe nicht sofort eine Lösung vor, sondern lasse den Auszubildenden Kriterien entwickeln und seine Entscheidung begründen. In einer folgenden Aufgabe bearbeitet er den vollständigen Vorgang selbstständig.“

12. Wie geht es nach dieser Ausbildungseinheit weiter?

Ordnen Sie die Situation in einen größeren Lernprozess ein. Beschreiben Sie Übung, Transfer, Dokumentation und die nächste Kompetenzstufe.

Antwortansatz: „Die Ergebnisse werden gemeinsam reflektiert und im Ausbildungsnachweis dokumentiert. Danach folgt ein komplexerer Fall, bei dem zusätzlich Umbuchungsbedingungen und internationale Reisevorgaben berücksichtigt werden.“

So beantworten Sie Rückfragen überzeugend

Eine überzeugende Antwort muss nicht lang sein. Nutzen Sie eine einfache Dreierstruktur:

  1. Entscheidung nennen: Was haben Sie gemacht?
  2. Begründung geben: Warum passt diese Entscheidung zum Lernziel und zum Auszubildenden?
  3. Alternative oder Folge nennen: Was wäre in einer anderen Situation möglich?

Sie dürfen Ihre Präsentation oder Unterweisung auch kritisch reflektieren. Wenn der Prüfungsausschuss nach einer Schwachstelle fragt, ist eine begründete Verbesserung häufig überzeugender als eine defensive Rechtfertigung.

Formulieren Sie zum Beispiel: „Im Rückblick würde ich für die Lernerfolgskontrolle mehr Zeit einplanen und den Transferfall früher vorbereiten.“ Damit zeigen Sie Reflexionsfähigkeit.

Häufige Fehler im AEVO-Fachgespräch

  • Antworten werden auswendig aufgesagt, ohne Bezug zur gezeigten Ausbildungssituation.
  • Die gewählte Methode wird nur mit Zeitersparnis begründet.
  • Lernziel, Methode und Lernerfolgskontrolle passen nicht zusammen.
  • Alternative Vorgehensweisen sind nicht bekannt.
  • Kritische Nachfragen werden als persönlicher Angriff verstanden.
  • Rechtliche Aussagen werden geraten, statt Unsicherheiten sachlich einzuordnen.
  • Antworten werden unnötig lang und verlieren die eigentliche Frage aus dem Blick.

Hören Sie die Frage vollständig an, nehmen Sie sich einen kurzen Moment zum Nachdenken und antworten Sie strukturiert. Wenn eine Frage unklar ist, dürfen Sie freundlich nachfragen, welcher Aspekt gemeint ist.

So bereiten Sie sich auf das Fachgespräch vor

Gehen Sie Ihre eigene Ausbildungssituation Schritt für Schritt durch und begründen Sie jede wichtige Entscheidung. Üben Sie anschließend mit einer zweiten Person, die bewusst kritisch nachfragt. Besonders wirkungsvoll ist es, das Gespräch unter realistischen Zeitbedingungen zu simulieren.

Erstellen Sie außerdem eine Übersicht mit Ihrem Lernziel, der Zielgruppe, der Methodenwahl, möglichen Alternativen, der Motivation, der Lernerfolgskontrolle und dem weiteren Ausbildungsverlauf.

Lernen Sie dabei keine vollständigen Antworttexte auswendig. Merken Sie sich stattdessen Argumentationslinien, die Sie flexibel einsetzen können.

Fazit: Gute Begründungen sind wichtiger als perfekte Formulierungen

Im AEVO-Fachgespräch sollen Sie zeigen, dass Sie Ausbildung bewusst gestalten können. Wer die eigene Ausbildungssituation verstanden hat, Entscheidungen nachvollziehbar begründet und Alternativen kennt, schafft eine gute Grundlage für ein souveränes Gespräch.

Sie möchten Ihre praktische Prüfung und das Fachgespräch gezielt üben? Im AEVO Praxis-Check trainieren wir Ihre persönliche Prüfungssituation, besprechen mögliche Rückfragen und optimieren gemeinsam Ihre Argumentation.

Jetzt mehr über den AEVO Praxis-Check erfahren

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AEVO Ausbilderschein

Seit 2010 bereiten wir Menschen deutschlandweit auf die Ausbildereignungsprüfung nach AEVO (sog. Ausbilderschein) vor.

Wir haben bis dato über 6.700 Menschen zur erfolgreichen AEVO-Prüfung unterstützt und begleitet.

Was bedeutet AEVO eigentlich?

Aevo ist eine Abkürzung für die:

  • Ausbilder
  • eignungs
  • ver-
  • ordnung

Die AEVO-Prüfung legen Sie an einer Kammer ab (z. B. einer IHK).

Mit der erfolgreich abgelegten AEVO-Prüfung haben Sie bewiesen, dass Sie die berufs- und arbeitspädagogische Eignung erlangt haben und bis auf Weiteres Menschen in einem dualen Ausbildungsberuf (entsprechend Ihrer Fachqualifikation) ausbilden dürfen.